Linksseitige Hemiplegie

linksseitige hemiplegieDie linksseitige Hemiplegie und die damit verbundenen Besonderheiten für den Patienten, der unter dieser Krankheit leidet, sind grundlegende Themen, um die Problematiken der Menschen zu verstehen, die mit den Folgen eines Schlaganfalls leben, der die rechte Gehirnhälfte getroffen hat.

Die Kenntnisse von den spezifischen Merkmalen der linken Hemiplegie erlauben es uns, das Verhalten des betroffenen Patienten besser zu verstehen und die für ihn beste Reha-Behandlung zu entwickeln.

Während bei Patienten, die an rechtsseitiger Hemiplegie leiden, Sprachstörungen (Aphasie) und Apraxie immer damit verbunden sind, sind die Störungen bei Patienten, die an linksseitiger Hemiplegie leiden, komplexer und schwieriger zu diagnostizieren.

Aus diesem Grunde wurde die Behandlung der linksseitigen Hemiplegie meistens vernachlässigt. Die wichtigsten Merkmale, die häufig in Zusammenhang mit einer linksseitigen Hemiplegie auftreten, sind:

  • Neglect
  • Anosognosie

Neglect - ist eine Wahrnehmungsstörung, bei der der Patient sich nicht innerhalb der linken Raumhälfte orientieren kann, ebenso vernachlässigt er unbewusst die linke Körperhälfte. Es handelt sich also nicht um eine Sehstörung! Diese Störung erklärt auch zum Teil die Bewegungsschwierigkeiten des unter linksseitiger Hemiplegie leidenden Patienten: Er nimmt die „link“ Welt nicht ausreichend wahr und kann seinen Körper nicht in Beziehung zu (den Dimensionen) seiner Umgebung setzen.

Anosognosie - Ein weiteres Charakteristikum der linksseitigen Hemiplegie ist das häufige Auftreten von Anosognosie, d.h. dem fehlenden Bewusstsein vom eigenen Krankheitszustand.

Diese zwei Störungen verursachen, wenn sie zusammen auftreten, zwangsläufig eine Reihe von Schwierigkeiten, die der Patient jeden Tag erlebt, und die sich allzu oft in  tragikomischen Anekdoten und Missverständnissen äußern. Diejenigen, die sich mit der Rehabilitation beschäftigen, haben die Aufgabe, diese „Anekdote“ als Daten festzuhalten, die für die Entwicklung der besten Rehastrategien nützlich sein können.

Die Störungen in Wahrnehmung, Konzentration und Bewusstsein haben deutlichen Einfluss auf Bewegung und Verhalten des Patienten, der unter linksseitiger Hemiplegie leidet. Sie müssen zu ihrer Beseitigung im Rehabilitationsplan berücksichtigt werden.

An anderer Stelle wurde bereits erwähnt, dass Bewegung das Ergebnis von komplexen Koordinationsprozessen ist, in der die kognitiven Prozesse eine entscheidende Rolle spielen.

Ein einfaches Beispiel dafür, wie die Veränderung der kognitiven Prozesse und insbesondere der Aufmerksamkeit eine Veränderung der Bewegung bewirken kann, bieten die Kinder mit Aufmerksamkeits-Störung.

Es sind lebhafte Kinder, hyperkinetisch, die ihre Aufmerksamkeit nur für wenige Augenblicke fokussieren können und deswegen ständig in Bewegung sind.

Auch bei Patienten mit linksseitiger Hemiplegie werden Veränderungen der Bewegung nicht nur durch Veränderungen der Muskulatur verursacht, sondern auch durch eine Reihe von kognitiven Beeinträchtigungen, unter denen die Aufmerksamkeits-Störung am problematischsten ist.

Die Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit bei der linkseitigen Hemiplegie beeinträchtigen die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf den Kern für die Lösung eines Problems zu lenken. Auch die Fähigkeit, sich auf mehrere Aspekte des Körpers gleichzeitig zu konzentrieren, wird beeinträchtigt.

In Verbindung mit Störungen der Aufmerksamkeit treten in einigen Fällen auch erhebliche Lernschwierigkeiten auf. Zur Erinnerung: Der Erfolg der Rehabilitation beruht auf der Lehrfähigkeit des Therapeuten und auf der Fähigkeit des Patienten, die am weitesten fortgeschrittene Bewegung zu lernen.

Die Wahrnehmungsstörungen bei der linksseitigen Hemiplegie sind also nicht nur auf die eventuell direkte Schädigung der primären sensorischen Bereiche zurückzuführen, sondern sie sind auch das Ergebnis einer komplexen Problematik, sich mit Hilfe des eigenen Körpers über die Umgebung, in der wir uns bewegen, zu „informieren“.

Daraus folgt, dass die Rehabilitation des Patienten, der unter linksseitiger Hemiplegie leidet, nicht auf die Stärkung der Muskulatur gerichtet sein wird und die spastischen Bewegungen nicht als ein nur muskuläres Problem zu betrachten sind. Das bedeutet, dass keine Medikamente wie Botulinumtoxin verabreicht werden (die geradezu kontraproduktiv für rehabilitative Zwecke sind).

Für die Behandlung nach einem Schlaganfall mit linksseitiger Hemiplegie wird gleichzeitig Folgendes beachtet werden müssen: der Körper, die beeinträchtigten Funktionen wie das Gehen und die Fähigkeit, Objekte zu (er-)fassen und zu bearbeiten sowie die kognitiv-emotionalen und informativen Prozesse.

Die Neurokognitive Rehabilitation, oder: die Perfetti-Methode, ist seit Jahren als die am besten geeignete Therapie für die Behandlung des Patienten mit Hemiplegie anerkannt, weil sie nicht nur die Wiederherstellung der muskulären Kontraktionen bezweckt, sondern auch die kognitiven Prozesse mit einbezieht.

Der Schlaganfall ist eine Läsion des Gehirns, er trifft nicht direkt die Muskulatur, sondern unsere Fähigkeit, Bewegung durch kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit, Lernen, Wahrnehmung und Gedächtnis, zu koordinieren.

Zusammenfassend: Die Störungen, die eine linksseitige Hemiplegie verursachen, erscheinen als motorische Defizite (spastische Bewegungen, Muskelhypertonie, Gehschwierigkeiten, Bewegungseinschränkungen von Arm und Hand), diese sind aber nur die äußeren Merkmale, die man eben sehen kann. Sie sind allerdings das Ergebnis des Gehirnschadens, der die Fähigkeit des Patienten vermindert hat, seine kognitiven Prozesse optimal zu organisieren.

Die mentalen Funktionen, die uns die Bewegung überhaupt erst ermöglichen, müssen im Falle einer linksseitigen Hemiplegie im Zentrum von Therapie und Rehabilitation stehen, um die vollständige Wiederherstellung der beeinträchtigten Funktionen zu erlangen.

Konsequenterweise muss die Rehabilitation der linksseitigen Hemiplegie durch eine therapeutische Behandlung erfolgen, die in der Lage ist, die kognitiven Fähigkeiten wiederherzustellen.

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Dott. Valerio Sarmati

Dott. Valerio Sarmati

Prof. für Neurotraumatologie an der Universität „La Sapienza“ in Rom.

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