Schlaganfall durch ventrikuläre Extrasystolen?

ventrikulaere extrasystolenVentrikuläre Extrasystolen entstehen nicht etwa im eigentlichen Schrittmacherzentrum, sondern in ektopen Erregungszentren, (meist eine der Herzkammern).

Diese sogenannten “Herzstolperer” sind meistens unbedeutend und harmlos, können aber in Einzelfällen auf Herzerkrankungen hinweisen.
Rhythmusstörungen können mit einer Beschleunigung (Tachykardie) oder einer Verlangsamung (Bradykardie) des Herzschlages oder mit unregelmäßiger Herztätigkeit (Arrhythmie) einhergehen. Sehr rasche Rhythmusstörungen – wie sie bei Ventrikulären Extrasystolen vorkommen – beeinträchtigen das Empfinden des Patienten und können zu einer Minderdurchblutung des Gehirns, des Herzmuskels, sowie auch anderer Organe führen. Die genaue Art der Rhythmusstörungen kann man nur mittels EKG erkennen.

Durch eine aufmerksame Patientenbeobachtung kann die Situation anhand von wenigen Parametern eingeschätzt werden:

* Sind die Haut und die Schleimhaut rosig oder zyanotisch?
* Ist der Puls peripher und/oder zentral tastbar?
* Liegt die Pulsfrequenz im Normalbereich?
* Ist der Puls rhythmisch?
* Ist die Haut des Patienten trocken oder (kalt-)schweißig?
* Leidet der Patient unter Atemnot?

Ein Patient dessen Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum ventrikuläre Extrasystolen aufweist wird auf die äußerst unangenehme und bedrohliche Situation mit Schock reagieren. Sind Symptome der Tachykardie und Schockzeichen erkennbar, muss rasch gehandelt werden. Sofortiger Notarztindikation sollten Schockbekämpfungsmaßnahmen und die richtige Lagerung folgen. Verliert der Patient das Bewusstsein, ist er nach der Atem-Kreislaufkontrolle sofort in die stabile Seitenlage zu bringen.

Eine Tachykardie mit ventrikulären Extrasystolen kann schlussendlich bei vorliegender Diagnose einer Herzerkrankung zur Implantierung eines Herzschrittmachers veranlassen. Eine spezielle Form ist der ICD (Implantierbare Cardioverter Defibrillator). Er garantiert eine ausreichende Schlagfolge, die elektrischen Impulse führen genau wie beim gesunden Menschen zur zeitgerechten Erregung der Vorhöfe und Herzkammern. Meist wird dieser ICD unter dem Schlüsselbein eingesetzt. Die elektrischen Impulse werden über Elektroden ins Herz übertragen.

Können ventrikuläre Extrasystolen einen Schlaganfall auslösen? Dazu sei gesagt, dass als Auslöser für einen Schlaganfall eher hypertensive Krisen (Hochdruckkrisen) oder akute Einschwemmung von Thromben aus dem unteren Bereich der Bein- und Beckenvenen zu nennen sind. Rhythmusstörungen belasten das Kreislaufsystem nicht durch einen hohen Druck, sondern durch die tachykarde Abweichung. Der Blutdruck wird in diesem Fall also eher sinken und ein Schlaganfall (Gefäßzerreißung im Gehirn) bleibt dem Patienten erspart.

Beleuchten wir nun noch einige Ursachen für eine ventrikuläre Störung:
Bei einem gesunden Menschen sind Extrasystolen, wenn auch ventrikuläre Extrasystolen nicht behandlungswürdig. Sind jedoch kardiale Erkrankungen als Auslöser zu benennen, so werden Antiarrhythmika zum Einsatz kommen. Stehen andere Krankheitsbilder im Vordergrund, werden jene vorrangig behandelt. Auch nicht ganz uninteressant in diesem Zusammenhang sind Schilddrüsenhormone oder bestimmte Medikamente, die ebenfalls zu Herzstolperern führen können. Und last, but not least: Energy-Drinks, Drogen- und Nikotinkonsum sowie Müdigkeit und Stress können ebenfalls ventrikuläre Extrasystolen auslösen. Wird das vegetative Nervensystem ständig überbeansprucht, so wird es zwangsläufig irgendwann “beleidigt” reagieren. Ein gesunder Mensch wird dann hoffentlich so klug sein und einen Gang runterschalten. Für jemand mit koronarer Erkrankung heißt es: Schrittmacherpass nicht vergessen und ab in die Notaufnahme.

 

Dott. Valerio Sarmati

Dott. Valerio Sarmati

Prof. für Neurotraumatologie an der Universität „La Sapienza“ in Rom.

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