Schlaganfall: Was passiert im Kopf?

schlaganfall was passiert im kopfRund 250.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Jeder fünfte dieser Patienten stirbt. Nach Krebs und Herzinfarkten liegt der apoplektische Insult, so der medizinische Fachbegriff, damit auf Platz drei der häufigsten Todesursachen. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall – und bei der Hilfe und Therapie geht es um Minuten.

Schlaganfall: Was passiert im Gehirn?

Beim Schlaganfall kommt es, ähnlich wie beim Herzinfarkt, zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung eines bestimmten Gewebebereiches. Mit anderen Worten: Bestimmte, mehr oder weniger große Areale des Organs werden von der Blutversorgung abgeschnitten. Dadurch erhalten sie weder den lebenswichtigen Sauerstoff noch Nährstoffe. Zudem werden Kohlendioxid und andere Abbauprodukte nicht mehr aus den Zellen abtransportiert. Es kommt zu einem andauernden Ausfall wichtiger Funktionen des zentralen Nervensystems. Patienten erleiden Schwindelanfälle, Lähmungen, können nicht mehr richtig sprechen, sehen oder schlucken, oder haben Gleichgewichtsstörungen. Dies sind nur einige der Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten und die, im Falle einer zu späten Behandlung, als körperliche Beeinträchtigung bis hin zur dauerhaften Behinderung vorhanden sein können. Auftreten und Ausmaß hängen von der Schwere, dem betroffenen Hirnbereich und der Dauer der Durchblutungsstörung ab. Ganz gleich, wie umfassend die Erkrankung ist: Einmal zerstörtes Hirngewebe kann nicht mehr regenerieren. Umso wichtiger ist es, durch schnelle Hilfe die Spätfolgen für den Betroffenen zu minimieren.

Zwei Auslöser – eine Folge

Die Durchblutungsstörung, die einem Schlaganfall zugrunde liegt, kann durch zwei Möglichkeiten ausgelöst werden. Im ersten Fall kommt es zu einem arteriellen Verschluss im Gehirn. Hervorgerufen wird diese regelrechte Verstopfung durch ein Blutgerinnsel, oder durch Arteriosklerose, also eine Ablagerung von Kalk an den Wänden des Gefäßes. In der Folge wird der ungehinderte Blutfluss eingeschränkt und schließlich vollständig gestoppt. Rund 80 Prozent der Schlaganfälle entstehen nach diesem Prinzip. Eine andere Ursache sind Verletzungen oder Risse an Blutgefäßen des Gehirns, beispielsweise aufgrund eines bestehenden, chronischen Bluthochdrucks. So verschieden beide Ursachen sind, so einheitlich und schwerwiegend sind die Folgen eines Schlaganfalls. Abhängig von der Dauer des Verschlusses und dem Ausmaß des geschädigten Hirnareals, verliert der Patient die Fähigkeit, ganz normale und gewohnte Körperfunktionen entweder vorläufig oder dauerhaft nicht mehr ausführen zu können.

Es geht um Minuten

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall muss umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. Betroffene Patienten sollten Sie niemals allein lassen. Bis zum Eintreffen des Notarztes empfiehlt es sich, den Betroffenen auf dem Rücken mit leicht erhöhtem Oberkörper zu lagern. Das Gehirn reagiert schnell und steuert lebenswichtige Funktionen. Umso wichtiger ist es, dem Gehirn bei einem Schlaganfall ebenso schnell zu helfen.

Dott. Valerio Sarmati

Dott. Valerio Sarmati

Prof. für Neurotraumatologie an der Universität „La Sapienza“ in Rom.

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