Übung der Kreise: Perfetti Methode

Ich teile mit Ihnen in diesem Artikel ein schönes Erlebnis von Herrn Erre und Francesca.

Herr Erre und Francesca kennen sich nicht persönlich und stammen aus verschiedenen Städten.

Erre hat einen Schlaganfall erlitten und kam zusammen mit seiner Frau zu mir, um zu lernen, wie man sich nach einem Schlaganfall zuhause rehabilitieren kann. Seit einiger Zeit nun arbeiten wir schon zusammen und daraus entstand eine angenehm, produktive Atmosphäre.

Francesca hingegen hatte das Pech, dass ihr Vater einen Schlaganfall erlitten hat. Auch sie hat beschlossen die Übungen zu erlernen, welche sie mit ihrem Vater durchführen kann, während er sich noch in der Klinik befindet.

Jetzt erzähle ich Ihnen, wie sich die Wege vom Herren Erre und Francesca gekreuzt haben.
Beim letzten Treffen mit dem Herren Erre und seiner Frau in meinem Studio habe ich mir gedacht, dass „die Kreisübung“ eine ausgezeichnete Übung für die Rehabilitation seines Armes sein könnte.

Um folgendes zu verbessern:

- Seine Empfindlichkeit beim Bewegen der Gelenke (kinästhetisch genannt)
- Seine Aufmerksamkeit in Richtung Schulter und Arm
- Die Vorstellung seines Armes in seinem Gehirn (mehr dazu später, im Moment reicht es dir aus zu wissen, dass wir uns unsere Bewegungen im Gehirn vorstellen)
- Kontrolle über seine Spastik
- Die Beweglichkeit, die Breite und Stärke der Bewegung seines Armes

Ich habe es ihm vorgemacht und beigebracht. Zuhause haben Herr Erre und seine Frau, die eine starkes praktisches Gefühl und sehr viel Kreativität besitzen, eine druckfertige Vorlage erstellt, welche die Durchführung der Übung der Kreise zuhause noch einfacher macht.
Als ich Francesca die Übung für ihren Vater zeigte, habe ich ihr die Zeichnung gesendet, welche von Herrn Erre erstellt wurde und hier unten gefunden werden kann:

Kreise

Ich weiß, dass es sich hierbei nur um eine kleine Geschichte handelt. Aber die Tatsache, dass Herr Erre Francesca und ihrem Vater geholfen hat, indem er die Durchführung einer Übung noch einfacher und zugänglicher machte, hat mich wirklich sehr beeindruckt.

Deshalb habe ich beschlossen, auch Ihnen diese Geschichte zu erzählen, in der Hoffnung, dass sie auf die eine oder andere Weise nützlich sein kann. Wechseln wir nun zur Erklärung dieser Übung, welche dazu dient die oberen Extremitäten nach einer Hirnschädigung zu rehabilitieren.

Jede Person, die einen Schlaganfall erlitten hat, unterscheidet sich von anderen.
Ich sage Ihnen das, weil die Übung für jede Person „angepasst“ werden muss. Die Vorlagen, welche ich biete, werden kopiert, angewendet und anschließend auf den einzelnen abgestimmt. Später werde ich Ihnen erzählen, wie die Übungen auf die einzelnen Situationen abgestimmt werden.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich werde erklären, wie man die Kreisübung im Sitzen machen kann. Wenn aber die betreute Person nicht in der Lage ist zu sitzen, so finden Sie bestimmt einen Weg, um die Übung auch im Liegen durchzuführen. Die grundlegende Anweisung für die Durchführung der Kreisübung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um die Übung dann tatsächlich auszuführen.

Die Anweisungen für die Kreisübung gibt es auch in einem Video. Hier unten können Sie den ersten Teil der Erklärung sehen. Es handelt sich hierbei um ein Video das zu einer Video Erklärung gehört, um eine rechtsseitige Lähmung zu erholen. Wenn in Ihrem Fall eine linksseitige Hemiplegie vorliegt, können Sie das Video trotzdem für deine Bedürfnisse verwenden. Unter dem Video finden Sie eine schriftliche Erklärung, die ich Ihnen auf Wunsch auch als PDF per E-Mail senden kann. Schreiben Sie mir einfach an info@reha-nach-schlaganfall.de
Drucken Sie das Blatt mit den Kreisen aus (Im Kopiershop kann das Blatt direkt auf A2 oder auf zwei A3-Blätter gedruckt werden).

Kleben Sie das Blatt mit den Kreisen auf einen Karton mit derselben Größe.
Der Patient sitzt (Stuhl oder Rollstuhl).
Der Rücken ist gegen die Rückenlehne gelehnt.
Der Therapeut setzt sich an die Seite des Patienten (auf die gelähmte Seite).
Vor dem Therapeuten und Patienten wird ein Hocker, Stuhl oder Tisch aufgestellt.
Auf dem Tisch wird nun der Karton mit den Kreisen gelegt, und zwar vertikal (Herr Erre und seine Frau haben mir ein Rednerpult empfohlen, das sie für wenig Geld im Supermarkt gefunden haben. Natürlich können Sie den Karton aber auch auf anderen Gegenständen platzieren, solange die Kreise vertikal zum Patienten positioniert sind).
Der Therapeut unterstützt mit einer Hand jene des Patienten (offen, wenn möglich), während die Zweite sich unterhalb des Ellenbogens befindet.

uebungsbeispiel

Nun, da der ganze Arm des Patienten in der Hand des Therapeuten liegt, kann letzterer die Hand des Patienten entlang der Kreise Bewegen.
Der Therapeut muss den Patienten in dieser ersten Phase daran erinnern, dass es nur um die Entspannung des Armes geht. Die Ausführung der Bewegung macht nur der Therapeut.
Der Patient hat die Augen verschlossen, während der Therapeut mit dessen Hand einer der Kreisbahnen folgt.
Am Ende der Ausführung des Kreisumfangs bittet der Therapeut den Patienten die Augen zu öffnen und zu sagen, bzw. im Falle einer Sprachstörung zu zeigen, welcher Kreis umrundet worden ist.
Ein Gesetz für den Therapeuten

Am Anfang der Übung könnte der Arm „steif“ sein, also das aufzeigen, was wir vorher Spastik genannt haben, noch genauer gesagt eines ihrer Elemente: Abnorme Reaktion auf Dehnung.
Ein Gesetz für den guten Therapeuten ist es, dass er bedenken muss, dass er die Steifigkeit des Patienten nie mit Gewalt behandeln darf. Erinnre dich, dass dies vom Patienten selber gesteuert wird durch sein Timing und die richtige Durchführung unserer Übungen.

Durch die Kreisübung ist leicht zu merken, dass der Arm des Patienten, der unter einer abnormen Reaktion auf Dehnung leidet, sich entspannt und die Spannungen sich verringern. Sollte dies nicht der Fall sein, so gibt es verschiedene Gründe dafür:

- Die Übung ist zu schwer, wodurch der Patient nicht in der Lage ist eine angemessene Aufmerksamkeit ins Spiel zu bringen.
- Die Übung ist zu einfach, wodurch die Aufmerksamkeit zu wenig stimuliert wird.
- Die Handhabung des Therapeuten ist unsicher wodurch die Hand versteift (in diesem Fall keine Sorge, es braucht ein wenig Übung).
- Die Bewegung ist zu schnell oder zu groß (Sie müssen wissen, dass die abnorme Reaktion auf Dehnung für Geschwindigkeit und Beweglichkeit anfällig ist).
Ich habe versucht, Ihnen alles auf einfache Art und Weise zu erzählen. In Zukunft werden Sie genauer verstehen, dass die Kreisübung wichtig ist, um die Bewegung zu rehabilitieren. Dies geschieht vor allem durch die Verbesserung der:

- Aufmerksamkeit
- Darstellung des Körpers
- Empfindlichkeit
- Kontrolle der abnormen Reaktion auf Dehnung (In der Regel ist dieser letzte Punkt das Auffälligste, denn es ist einfach zu verstehen, dass der Arm oder das Bein steif sind aufgrund der Muskeln welche „angespannt“ sind. Jeder Versuch einer Bewegung von Seiten des Patienten kann nicht mehr als eine qualitativ sehr elementare oder wenig funktionale Bewegung sein).

Versuchen Sie diese Übung. Sollten Sie dabei Probleme haben, können Sie mir diese beschreiben und wir können gemeinsam eine Lösung für Ihr Problem oder Ihre individuelle Herausforderung finden. Dies kann auch nützlich für andere sein. Genauso wie Herr Erre nützlich für Francesca war.

Dott. Valerio Sarmati

Dott. Valerio Sarmati

Prof. für Neurotraumatologie an der Universität „La Sapienza“ in Rom.

Folgen Sie mir:
TwitterFacebook

Hinterlasse eine Antwort


8 − = sechs