Aphasie und Apraxie

Aphasie

Wir müssen bedenken, Sprache und Bewegung haben viele kognitive Prozesse gemeinsam. Aus diesem Grunde können wir Aphasie als die Unfähigkeit, die Kommunikation zu organisieren, bezeichnen.
Für alle, die sich mit Rehabilitation und Logopädie beschäftigen, ist Aphasie ein sehr komplexes Problem. Oft wird sie mit Wort-Amnesie verwechselt, und man verlangt infolgedessen vom Patienten mit rechtsseitiger Hemiplegie, dass er bestimmte Worte mehrmals wiederholt, in der Hoffnung, dass er sie dann auch lernt und behält.
In Wirklichkeit ist Aphasie meistens kein Wortfindungsproblem, genauso wenig wie Hemiplegie eine Frage der Muskelkontraktion ist. Aphasie ist vielmehr ein mangelnder Zugang zu bestimmten Regeln und Formen der Sprache in einem bestimmten zeitlichen Kontext.

Apraxie

Apraxie ist ein häufiges Merkmal der rechtsseitigen Hemiplegie und ist das Ergebnis der Veränderung der kognitiven Prozesse wie Aufmerksamkeit, Lernen und der Fähigkeit zu Umwandlungen von verschiedenen Handlungen der Informationsverarbeitung wie Sprechen, Sehen und Wahrnehmen. Das mag als sehr vage erscheinen, spiegelt aber die Komplexität des Apraxie-Problems wider, die oft nur mit größter Schwierigkeit diagnostiziert und selten mit spezifischen Therapien behandelt wird.

 

Die Apraxie ist ein sehr komplexes Krankheitsbild. Einige Tests erlauben uns aber, bestimmte Aspekte der Apraxie herauszuarbeiten. Ich persönlich bevorzuge den Test von De Renzi. In diesem Test wird der Patient aufgefordert, einige Gesten mit der oberen Extremität nachzuahmen. Die Qualität der Wiedergabe ermöglicht es uns, die spezifischen Eigenschaften der Art von Apraxie zu selektieren, die der Patient mit rechtsseitiger Hemiplegie aufweist.

Die Besonderheit dieses Tests liegt darin, und das sollte uns zu denken geben, dass die Aufforderung zur Nachahmung sich auf den linken Arm bezieht, d.h. also den Arm, der als „gesund“ gilt und der theoretisch keine Bewegungsprobleme haben sollte. In Wirklichkeit zeigen sich verschiedene Probleme räumlicher Organisation, wie der Wegfall feinmotorischer Beweglichkeit, die zur gesamten Geste gehört, und die Ersetzung bzw. Änderung der Bewegungsrichtung – alles grundlegende Eigenschaften eines korrekten motorischen Verhaltens. Dieser Aspekt untermauert die Beobachtung, dass der Schlaganfall nicht direkt Arm oder Bein schädigt, sondern unsere Fähigkeit beeinflusst, die Bewegung im Kontext adäquat zu koordinieren. Es kann auch nicht anders sein, da die Störungen auch an der linken Körperseite, die ja eigentlich nicht betroffen sein sollte, nachgewiesen werden können.

Dott. Valerio Sarmati

Dott. Valerio Sarmati

Prof. für Neurotraumatologie an der Universität „La Sapienza“ in Rom.

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